„Warte bis es dunkel wird“ war das Motto zu den Feierlichkeiten zum Lichtwerk-Jubiläum im Dezember 1995.

Auf dem Filmprogramm standen die Lieblingsfilme der Programmgruppe, ein Stummfilmprogramm kuratiert von Karola Gramann und das Kurzfilmprogramm „Vom Perfoloch zum Pixelzähler“ mit Filmen aus der Region. Gefeiert wurde mit der Veranstaltung „Filme vom Faß“: Trailershow, Filmquiz, Verlosung und Überraschungsfilm.

Lichtwerkgründer Biografien 1995

Lichtwerkgründer Biografien 1995: Raimond Goebel, Jürgen Hillmer

Lichtwerkgründer Biografien 1995

Lichtwerkgründer Biografien 1995: Richard Lutterbeck, Udo Penner, Gunda Urban

Zum ersten Mal veranstaltet das Schwulenreferat des AStA der Uni Bielefeld gemeinsam mit dem „Lichtwerk“ die „Schwulen Filmtage Bielefeld.

Die Auswahl der Filme umfasst auch ein Vorprogramm aus Kurzfilmen. Zur Eröffnung gibt es einen Empfang unter dem Motto „Ein Kino voller Tunten“, inspiriert von „Priscilla. Königin der Wüste“. Mit im Programm auch ein Stummfilm, „A Florida Enchantment“, begleitet am Klavier von Lutz Verhülsdonk. Bei den Kurzfilmen werden zwei Filme von Matthias Müller gezeigt: „Sternenschauer“ und „Sleepy Heaven“. Die Programmverantwortung liegt u.a. bei Filmhaus-Mitglied Jan Rethmann.

Im November 1995 lautete das Thema des Kurzfilmwettbewerbs „Tabu“. In der Jury saßen Sabine Schroeder (Filmhaus-Vorstand), Bernd Wiesener (Journalist) und Werner Zeppenfeld (WDR Studioleiter). Diesmal gab es rund 90 Einreichungen.

Gewinner: 1.Platz: „Akt: Inge für Franz“ (Helmut Jahn). 2.Platz: „Numb“ (Michael Fleck). 3.Platz: “Mensch, Junge” (Crazy Chicas). Publikumspreis: „Spuren“ (Hubert Weiß)

Tabu Bilderbeben 1995

„Europa kommt im Kino zusammen“ ist das Motto von Cinéma d’Europa zum Kinojubiläum „100 Jahre Kino“ im Jahr 1995. Das „Lichtwerk“ beteiligt sich an den Feierlichkeiten mit einer speziellen Kinowoche mit sechs europäischen Produktionen.

Zum Jubiläum „100 Jahre Kino“ war Bielefeld einer der fünf Schauplätze einer umfangreichen Stummfilm-Tournee des Landes NRW. In Bielefeld wurden zu diesem Anlass drei Stummfilme aufgeführt. Von F.W. Murnau stand „Der letzte Mann“ mit dem notabu-Orchester unter der Leitung von Mark Andreas Schliengensiepen auf dem Spielplan. Lubitsch war mit „Madame Dubarry“ vertreten. Bei dem abschließenden Avantgarde-Filmprogramm kamen Filme von René Clair, Fernand Léger und Man Ray zur Aufführung. Alle Filme wurden in der Oetkerhalle gezeigt.

Im Jahre 1995 riefen der Bielefelder Jugendring und das Filmhaus Bielefeld zur Teilnahme an der zweiten Videoaktionswoche auf.

Kinder und Jugendliche wurden aufgefordert, Filme zum Thema „Ex und Hopp“ zu entwickeln. Die Initiatoren versprachen Unterstützung bei der Produktion durch VideoteamerInnen. Die eingereichten Filme wurden am 3. Oktober 1995 im Kino „Lichtwerk“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Videoaktionswoche gehörte zu den ersten Medienpädagogischen Aktivitäten des Filmhauses und wurden in den folgenden Jahren weiterentwickelt.

„Sehnsucht“ war das Motto für die Filmhaus-Party 1995. Die Sehnsucht der Bilderschnitzer nach Liebe Ekstase und Erlösung kulminiert diesmal zu einem extravagenten emotionalen Höhepunkt: wir feiern 10 Jahre Lichtwerk!

Als damals, 1985, fünf Filmhaus-Enthusiasten beschlossen, ihr Herzblut und Privatvermögen an der August-Bebel-Straße zu investieren, um im Bauch der Kulturfabrik „Artists Unlimited“ ein Kino zu installieren, wurde begeistert applaudiert, müde gelächelt und kritisch gemeckert. Heute ist aus dem ehemaligen Puschelkino ein professionelles Programmkino geworden, in dem jährlich ca. 150 Filme in 800 Vorstellungen gezeigt werden: die Meckerfritzen, Zweifler und Filmbesessenen von damals sitzen mittlerweile einträchtig im Kinosaal – mit Lichtwerkpass und Pilsener Urquell. Und ab und zu kriegen wir zu hören, dass unser Monatsprogramm mal wieder „ganz O.K.“ sei. Dass das Lichtwerk wachsen und gedeihen konnte, dass wir von der Programmgruppe immer noch Filme zeigen können, die wir selber auch gerne anschauen, haben wir Euch – unserem Publikum – zu verdanken. Und das muss gefeiert werden. Mit der Filmhaus-Party und einer Extraportion „Sehnsucht“.

Das Programm ist dem Thema „Sehnsucht“ entsprechend aufgeladen: „Doctor Honk“ wird uns den Blues bringen, bis wir wie die Schloßhunde heulen und wimmern! Mit den „Tschaikusis“ („Drei heavy listening girl pool pop babies aus Berlin“) erleben wir Monica Vitti in einem Film von Russ Meyer… AC/DC auf der Loveparade… Dirk Schäfer als Frank Farian! In der Galerie „Artists Unlimited“ wird Island-Gast Björk Sigurdardottir eine Klangperformance mit dem Titel „Konzert“ aufführen und Leib und Seele zum Schwingen und Klingen bringen. Die amerikanische Choreografin Dyane Neiman zeigt Ausschnitte aus ihrer brandneuen Tanzperformance „Pistol“. Mit wie immer sauschweren Filmquizfragen sorgen Dirk Schäfer und Matthias Müller bei den Probanden für Ausbrüche der Verzweiflung und grenzenlosen Glückstaumel. Dass es in unserem Stummfilm im Open Air Kino nur um die ganzganzgroßen Gefühle geht ist sowieso klar: „Nosferatu“ ist groß, aber sein Schatten ist größer – am allergrößten ist aber die Sehnsucht nach: ?? – Genau: Liebe, Ekstase und Erlösung!!! Um das cobainmäßig-erlösende Abhotten kümmert sich Discowunderheiler DJ Acka in seinem unterirdischen Disco-Lambarene für schmachtende Gemüter und hungrige Herzen. Wem aber mehr nach der Träne im Knopfloch oder einem sentimentalen Rundflug durch die Filmmusik ist: das stilechte Abhängen in der Sektbar wird mit dem „Rox Trio – The Hollywood Connenction“ zur sublimen Sensation.

Warnung: Wer bei der Filmhausparty fehlt, trifft keine guten Freunde und keine guten Bekannten, wird nicht durch Musik und Tanz am Herzbeutel massiert, wird nicht für Stunden (die einem später wie Jahrzehnte vorkommen) seltsamst-angenehm verzaubert, wacht am nächsten Morgen einsam, gelangweilt und ohne größere Erinnerungslücken auf, usw. usw. Kurz: Ekstase gibt’s nicht alle Tage! [aus dem Lichtwerk-Programm]

Zum Filmstart des Ken Loach Films „Land & Freedom“ über den Spanischen Bürgerkrieg schickte der Verleih eine rote Fahne mit. Die Lichtwerker hissten die Fahne an der August-Bebel-Straße zu Werbezwecken.

An der Fassade ist die frühere Lichtwerk-Werbung zu erkennen und ein Transparent, welches auf das 100jährige Kinojubiläum aufmerksam machte.

Zum 30.6.1995 wechselt Raimond Goebel vom Filmhaus als Geschäftsführer zur Hessischen Filmförderung.

Goebel war seit 1985 freier Mitarbeiter im Filmhaus Bielefeld und gehörte von 1986 bis 1991 dem Vereinsvorstand an. Er gehörte zu den Initiatoren und Gründern des Kinos „Lichtwerk“ im Filmhaus. Der Literaturwissenschaftler arbeitete als freier Kameramann und betreute im Filmhaus die Geräte der Filmwerkstatt. Von 1992 (bis 1999) gehörte Raimond Goebel dem Vorstand des Filmbüro NW an.

Als Nachfolgerin konnte die Film- und Fotostudentin Heide Ontyd gewonnen werden. Sie tritt ihren Dienst zum 1.7.1995 im Filmhaus-Büro an.