Das Lichtwerk ein Jahr nach Start präsentierte sich mit einem bereits ziemlich satten Programm. Zwar hielt man sich die Wochenenden zumeist frei, da die Ehrenamtlichen gerne feierten, aber dafür gab es Spätvorstellungen (22.30 Uhr).

Das Einjährige wurde am 13. Dezember mit einer Filmparty gefeiert. Der Programm-Flyer wurde finanziert durch Anzeigen von „Casablanca“ (ein ewig treuer Kunde), „Extra-Tours“, „Stoffrausch“ und „tips“. Neben Jürgen Hillmer, Udo Penner, Gunda Urban  und Raimond Goebel ergänzten Petra Wonsowitz, Kerstin Pia Barz und Susanna Düllmann das Programm-Team.

Lichtwerk Flyer Design 1986

Im November 1985 waren die umfangreichen Vorbereitungen im Filmhaus vollbracht. Der Verein eröffnete dank eines durchsetzungsfähigen Kerns von Filmbegeisterten mit dem „Lichtwerk“ seinen eigenen Kinosaal an der August-Bebel-Straße 94. Ohne Kapital, dafür aber mit eigenem Arbeitseinsatz und viel Enthusiasmus sorgten Gunda Urban, Raimond Goebel, Jürgen Hillmer, Richard Lutterbeck und Udo Penner für eine echte Überraschung in der Bielefelder Kinoszene.

In einer Zeit, in der Lichtspielhäuser schließen mussten, wagten die fünf Lichtwerker einen Schritt, der für alle ins Reich der Medien führte und in gewisser Weise auch die Berufslaufbahn bestimmte. Zünftig wurde direkt mit einer Party eröffnet, die die Finanzierung der Startphase sichern sollte. Zur Eröffnung am 30. November 1985 zeigten die Lichtwerker Buster Keatons „Sherlock Jr.“ Das Publikum reagierte überrascht, als der Stummfilm zwar Zwischentexte auf ungarisch aufwies, diese allerdings lediglich holländisch untertitelt waren… Programmatisch widmeten sich die Lichtwerker der Filmgeschichte, dem Dokumentarfilm und der Avantgarde. Zu den 16mm-Projektoren kam bald ein 35mm-Projektor und auch Super-8 tauchte auf dem Spielplan auf.

Vorführkabine Lichtwerk 1989

Projektoren in der Vorführkabine 1989

Rasch eroberte sich das „Lichtwerk“ ein neugieriges Stammpublikum, so dass immer wieder kleinere Erstaufführungen möglich wurden. Nach zwei Jahren stellte das Team um Petra Wonsowitz und Martina Morre ein regelmäßiges Kinderkino auf die Beine, und mit dieser medienpädagogischen Einflussnahme war es dann auch nicht mehr weit zum ersten Kinderfilmfest. Innerhalb von fünf Jahren entwickelte sich das „Lichtwerk“ von einzelnen Wochenspieltagen zu einem regelmäßigen Vollzeitprogramm mit täglichen Vorstellungen. An den Wochenenden wurden bis zu vier Filmen gezeigt und das „Lichtwerk“ entwickelte sich stetig vom Retrokino zum Erstaufführungskino.

Massolle-Ausstellung im Lichtwerk Foyer 1989

Joseph Massolle-Ausstellung im Lichtwerk Foyer 1989

Hinter jedem Erfolg steckt ein Rezept – das meistens streng gehütet wird.
Das Lichtwerk schwimmt auch in dieser Frage gegen den Strom und lüftet sein Geheimnis: Der Erfolg des bunten und vielfältigen Kinoprogramms hat viele Mütter und Väter – kreative, kluge, engagierte und bisweilen besessene Filmfans, die sich bei Blümchenkaffee und Platenkuchen in Stimmung bringen.
Die Geschichte des Lichtwerks beginnt als Kino im Filmhaus an der August-Bebel-Straße.

Es hat sich seit der Gründung 1985 aus einer Studierendeninitiative in kurzer Zeit zum professionell geführten Filmkunsttheater entwickelt. Die für die Filmauswahl verantwortliche Programmgruppe besteht aus vier bis fünf Filmbegeisterten aus dem Umfeld des Filmhauses. Sicherlich ist für das lebendige und vielfältige Programmprofil auch die heterogene Zusammensetzung der Gruppe verantwortlich.

Lichtwerk ist „Kino mit Programm“, verfolgt also die programmatische Zielsetzung, Entwicklungen der Filmgeschichte deutlich zu machen, Filmkulturen anderer Länder vorzustellen, bedeutende Regisseure der Gegenwart zu porträtieren und besonders die neuen Entwicklungen und Protagonisten des Films zu präsentieren.

Daneben spielt das Kinderkino-Programm mit begleitender medienpädagogischer Betreuung eine wichtige Rolle. Hier wollen wir unseren ZuschauerInnen von Morgen mit ausgewählten, wertvollen Kinderfilmen schon früh Medienkompetenz und Filmgeschmack vermitteln. Wir haben die Geschichte unseres Kinos Lichtwerk zu einer Foto-Story verarbeitet!

Massolle-Ausstellung im Lichtwerk Foyer 1989

Joseph Massolle-Ausstellung im Lichtwerk Foyer 1989

Schon bei der Gründung des Lichtwerks durch die fünf Filmhausmitglieder Jürgen Hillmer, Richard Lutterbeck, Gunda Urban, Udo Penner und Raimond Goebel stand die Finanzierung des Kinos auf wackeligen Beinen. Da die Instandsetzung und Umbauten der Räume zum Kinosaal mit Vorführkabine aus eigenen Mitteln ohne Förderung bewerkstelligt werden mussten und auch die Arbeit im Kinobetrieb ehrenamtlich erfolgte, erdachten sich die Filmenthusiasten kreative Lösungen zur Finanzierung der Betriebskosten.

Zur Eröffnung wurde für wohltätige Zwecke eine Party gefeiert und schon bald wurden die ersten Lichtwerk-Pässe unter das Volk gebracht. Mit dem Pass konnte der Eintritt ermäßigt werden und rasch erkannten die „Heavy User“ die Vorteile dieses Dokuments. Anfangs öffneten die Lichtwerker nur an drei Tagen in der Woche das Kino und am Wochenende war spielfrei, da man sich auch privat vergnügen wollte. Doch schon bald war klar, dass der Bedarf an guten Filmen nicht allein durch die anderen Lichtspielhäuser zu decken war und das Lichtwerk stärker gebraucht wurde.

Spielte man anfangs fast ausschließlich Repertoire, filmgeschichtlich relevante oder zu Unrecht vergessene Werke oder Avantgardefilme, kamen rasch immer häufiger auch aktuelle Filme ins Programm, möglichst im Original mit Untertiteln. Über die Jahre mauserte sich das Lichtwerk für engagierte Filmverleiher auch zum Erstaufführungskino, da sich das Stammpublikum für Neues aus aller Welt offen und interessiert zeigte. Mehr Bilder zum Lichtwerk.

Jürgen Hillmer gehört zu der kleinen Gruppe der Lichtwerk-Gründer und engagiert sich ab 1985 im Filmhaus.

Gemeinsam mit Gunda Urban, Udo Penner, Richard Lutterbeck und Raimond Göbel setzt Hillmer viel Energie ein, um den Traum vom eigenen Kino mit einem unabhängigen Programm Wirklichkeit werden zu lassen. Sein Lehramtsstudium tritt mit der Eröffnung des Lichtwerks im Dezember 1985 immer weiter in den Hintergrund. Bis 1988 arbeitet er ehrenamtlich und gestaltet mit einer Gruppe von Filmenthusiasten das Programm. Dann erst erlauben es die finanziellen Möglichkeiten des Filmhauses, die Tätigkeit auf geringer Basis in ein Angestelltenverhältnis umzuwandeln. Im Laufe der frühen Jahre entwickelt sich das Lichtwerk zu einem wichtigen Faktor in der Bielefelder Kinolandschaft und die Strahlkraft des Programms reicht bis weit in die Region. Neben der Präsentation von Kinogeschichte und Repertoirefilmen spielten immer deutlicher interessante Erstaufführungen aktueller Filme eine Rolle im Lichtwerk-Programm. Mit einem Saal von anfangs 63 und später 73 Plätzen gehen die Programm-Macher an die Grenzen der Belastbarkeit und entwickeln eine Vorstellungsstruktur die von Matinéen über Kinderfilme bis zu Spätvorstellungen reicht. Die Projektoren rattern fast rund um die Uhr und das gehaltvolle Programm wird in der Folge von der Filmstiftung NRW und später auch vom Bund (finanziell) ausgezeichnet und gewürdigt. Die Filmstiftung NRW wird wiederholt zum Partner für spezielle Filmprogramm und fördert wiederholt das Profil „Kino mit Gästen“. Das Lichtwerk wird verlässlicher Partner für viele Kooperationen mit städtischen Einrichtungen. In der flachen Filmhaus-Hierarchie wird Jürgen Hillmer immer mehr zum eigentlichen Geschäftsführer des Bereichs Abspiel im Filmhaus. Die Programm-Gruppe schafft es, das Lichtwerk in der Öffentlichkeit als Flaggschiff der Filmhausarbeit zu etablieren.

Erst mit dem Umzug des Lichtwerks von der August-Bebel-Straße in den Ravensberger Park und der damit verbundenen Ausgründung des Kinos als eigenständige GmbH wird Jürgen Hillmer tatsächlich auch juristische zum Geschäftsführer der Lichtwerk Filmtheater GmbH. Ab Januar 2006 leitet er die Geschäfte für ein Kino mit drei Sälen und einem großen Foyer. Jetzt können Träume realisiert werden, die in der beschränkenden Enge des Filmhaus-Kinos herangereift waren. Reihen wie „Lichtwerk literarisch“, „Lichtwerk kulinarisch“, „Lichtwerk psychologisch“, „Architektur und Film“, die „Sneak Preview“ und die Repertoire-Reihe „Long Time No See“ wurden neu etabliert und alte Konzepte wie „Kino mit Gästen“, „Kirche und Kino“ und „Stummfilm und Musik“ fortgesetzt.